Turbonegro
May 23rd, 2007
Letzten Sonntag besuchten Andy und ich das Konzert der famosen Band Turbonegro in der Live Music Hall. Dankbarerweise kamen wir über die liebe Annette wieder umsonst rein (”Hi, wir stehen auf der Gästeliste” ist einfach ein geiler Satz), aber ich muss sagen: Für das Konzert hätte ich sogar Geld bezahlt!
Wie dem auch sei, der Konzertbericht, den ich geschrieben habe, könnt ihr euch beim Popzine durchlesen, bin aber mal so frei, ihn auch hier zu veröffentlichen
Jeans, Schminke und Erektionen: Turbonegro in der Live Music Hall
Was bekommt man, wenn man sechs seltsam kostümierte Männer zum Konzert bittet, sie einen sehr eingängigen Mix aus Punkrock, Rock’n’Roll und vielen mitgröltauglichen Texten über homosexuellen Geschlechtsverkehr spielen lässt und dazu zighundert Fans in Jeansjacken steckt, ihnen ein Bier in die Hand drückt und sie vor die Bühne verpflanzt? Richtig, ein verdammt gutes Konzert von TURBONEGRO in der Kölner Live Music Hall.
Schon bevor die sechs Musiker um Sänger Hank von Helvete die Band betreten hatten, konnte man in der Halle dem Kondenswasser beim Tropfen zusehen: die Vorband BOOZED verstand ihr Handwerk nicht schlecht und ließ ein tanzbares Stück nach dem anderen aus den Boxen krachen, auf dass die Menge sich gehörig einrocke. Und das tat sie. Unglaublich, dass bei solch dicht gedrängter Vorfreude überhaupt noch Platz zum Tanzen war. Mit schweißverklebten Haaren und halbverschüttetem Bier erwarteten wir also, dass die Osloer Deathpunker (Death Punk ist die selbst gewählte Musikrichtung der Band) uns mit ihrer Anwesenheit beglückten.
Als das Saallicht herunterfuhr und die Spots sich auf die Bühne richteten, zeigten sich TURBONEGRO in voller Pracht und machten das, was sie am besten können: Verdammt gut aussehen und verdammt hart rocken. Hank präsentierte sich, eingehüllt in eine Amerikafahne, die mehr als genug Blicke auf seine wohlgeformte Plauze zuließ, komplett mit übertriebener Schminke und wirbelndem Spazierstock, in seiner kompletten, stark maskulinen Pracht, und auch der Rest der Band bot einen wunderbaren Augenschmaus. Dazu trugen natürlich nicht nur die Kopfbedeckungen (vom Safarihut bis zur Offiziersmütze) bei, auch die leicht tänzelnden Bewegungen seitens des Keyboarders Pal Pot und Euroboys unverschämtes Gepose waren maßgeblich beteiligt.
Kaum krachten die ersten Powerchords durch die (übrigens ziemlich gut abgemischten) Boxen, als die Menge auch schon ausrastete, Hände wurden in die Luft gereckt, Texte wurden mitgeschrien und Pogo wurde getanzt. Es dauerte keine zwei Minuten, bis allen in der Halle, einschließlich mir, der Schweiß in die Augen lief. Doch wer dachte, er bekäme nach dem ersten Lied eine Verschnaufpause serviert, sollte sich noch einmal überlegen, bei welchem Konzert er gerade sein durfte. Gitarrist Euroboy ließ sich von so trivialen Dingen wie Songwechseln überhaupt nicht beirren und schrammte einfach munter weiter, und während wir alle noch nach Atem japsten, erschallte auch schon der nächste Song, der, beinahe überflüssig zu erwähnen, natürlich auch ohne Umweg über das Gehirn direkt vom Ohr in die Beine fuhr.
Ein Hit jagte den nächsten, und die geschminkten Fans, hauptsächlich aus textsicheren Durch-und-durch-Fans bestehend, freuten sich bei Hits von “Blow Me Like The Wind” bis “Prince Of The Rodeo” und von “Sell Your Body (To The Night)” bis “Back To Dungaree High” die Gesichter quer. TURBONEGRO verloren kaum Zeit mit Songansagen oder Werbung für ihr neues Album (”Retox” mit Namen, zwei Songs der neuen Platte wurden vorgestellt und reihten sich exzellent in die Reihe der bisherigen Hymnen ein), nach ein oder zwei von Hanks grandios dummen Witzen (prima dargeboten in einer Mischung aus Englisch und gebrochenem Deutsch, „you have a church that can’t be bombed and a beer that keiner trinken will“) sah man schon wieder die Drumsticks durch die Luft wirbeln.
Nachdem die Band zwischendurch kommentarlos von der Bühne verschwunden war und sich erst nach einiger Zeit und unter viel „Zugabe“ wieder auf selbige hinauf bitten ließen, kündigte der unverwechselbare Sound von Luftschutzsirenen (sprich: das Intro namens Apocalypse Dudes) den nächsten Hit an: “The Age Of Pamparius” ließ der Turbojugend (TURBONEGROs Fanclub, erkennbar an Jeansjacken und Seemannsmützen) die Freudentränen in die Augen steigen. Doch die Band wusste, wie man auftrumpft und kramte noch tiefer in der Trickkiste, um immer neue Deathpunk-Arien über die Saiten zu zaubern.
Als die Band mit dem gloriosen Song “I Got Erection” ihr Konzert zum Klimax brachten, war sicherlich keine Achsel im Raum mehr trocken, und mit breitem Lächeln und heiseren Kehlen verließen wir ein leider viel zu kurzes Konzert.
Ob der Abend perfekt war? Nicht ganz. Ich persönlich hatte etwas mehr Bühnenperformance erwartet, obwohl Euroboy sich tapfer solospielenderweise vom Schlagzeug stürzte, fehlten einfach Aktionen wie falsches Blut ins Publikum kippen oder Feuerwerksraketen aus Hanks Hintern starten lassen, um das TURBONEGRO-Feeling zu komplettieren.
Fazit: Es war schnell, es war hart, es war TURBONEGRO. Wenn ihr auf technisch versiertes Powerchord-Geschremmel und mit Doppeldeutigkeiten versetzte Mitsingtexte steht, kauft euch eine Jeansjacke, fangt an, Kajal zu benutzen und lasst euch ein Konzert der Norweger in Zukunft auf keinen Fall entgehen.
Prost!
_brause
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2 Comments Add your own
1. Hannes | May 25th, 2007 at 12:36 pm
so für lau würd ich mir die ja auch mal gern ansehen. ist bestimmt nicht schlecht. also… wenn denn raketen aus hintern gezündet werden.
zwingt die lisa dich morgen mit zum maxïmo park?
gruß,
der hannes
2. ahojohnebrause | May 25th, 2007 at 2:00 pm
Nee, das bleibt mir zum Glück erspart.
Jaja, das Konzert war schon echt schwer in Ordnung, ich hätte auch kein Problem damit gehabt, dafür zu bezahlen!
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