Brause Classics: Taubertal Open Air 2004
March 30th, 2007
Beim Stöbern auf meiner Platte habe ich einen angefangenen Festivalbericht gefunden, den ich mal für meine alte Homepage geschrieben hatte. Er ist zwar unvollständig unvollständig (ich habe aus Faulheit nach Tag 1 aufgehört zu schreiben), aber meiner Meinung nach doch unterhaltsam, so dass ich ihn euch nicht vorenthalten möchte.
Donnerstag aka. Tag 1
Als sei ein Festivalwochenende und der damit verbundene Arbeitsausfall nicht genug, habe ich mich ja schon im Januar entschlossen, das Taubertal Open Air im schönen Rothenburg op der Tauber (Bayern! Ausland!!) mit meiner Anwesenheit zu beehren und somit das zweite Wochenende meiner Ausbildung mit lauter Musik und harten Drogen zu verbringen.
Luxuriöser Vorteil gegenüber Wacken: Ich hatte einen Platz im Auto, um erst einmal dorthin zu gelangen, luxuriöser Nachteil gegenüber Wacken: Andy, Claudia, Robert und Sabrina auch. Ergo: Fünf Leute + Zelte + Kleidung + Gepäck + Snacks für die Fahrt + was zu Trinken für die Fahrt (allerdings –Essen und Trinken für’s Festival, wir waren so klug, das erst auf dem Festival zu kaufen) in einem schnuckelig engen Ford Fiesta. Junge, was ein Spaß! Zumindest, wenn man auf Krämpfe in den Beinen und Rückenschmerz steht.
Nach einer circa sechzehn Jahre andauernden Fahrt über die Autobahn („Aaaaandy?“ – „Ja, Jörren?“ – „Warum fahren wir siebzig?“) inklusive vieler Schmerzen, Sabrina’s Ellenbogen in meiner Seite (hey, du konntest ja nichts dafür!), Leute trotz kritischer Tieflage überholen, Aus-dem-Fenster-Winken-Und-Das-Metöl-Zeichen-Machen und Druck auf den Ohren vom ständigem Berg- und Talfahren kamen wir im Ort an, und nachdem wir uns an den gigantomanisch großen Schildchen orientieren konnten (mindestens 10cm breit und 3 cm hoch! Sic!) fuhren wir auf’s Festivalgelände. Einer der Helferlein winkte uns fröhlich, Andy ließ das Fenster runter und unterhielt sich eine Weile lang mit ihr, ließ das Fenster wieder hoch, schaute uns mit fast kindlichem Unverständnis an und fragte „Hat irgendjemand verstanden, was sie gesagt hat?“ Kopfschütteln unsererseits.
Das war der Zeitpunkt, wo uns allmählich dämmerte, dass es die nächsten paar Tage schwer sein wird, uns verständlich zu machen.
Wir folgten also der Wegbeschreibung der Platzanweiser, rieten auf Gutdünken, dass wir am oberen Campingplatz wohnhaft werden wollten und stellten schockiert fest, dass „Oa Stück grad’oas“ auf Bayrisch umgerechnet circa sechshundertneunzig Kilometer sind.
Erste Amtshandlung auf dem Festivalgelände: im inzwischen eingesetzten Regen fröhlich im Matsch stecken bleiben. Wir nahmen uns ein paar Minuten Zeit, um lautstark unsere Meinung zu bekunden (was böse Schimpfworte und kölsche Flüche nicht zwingend ausschloss) und dann erst mal den Van vor uns aus dem Matsch zu schieben. Als wir uns wieder in unser Auto gesetzt hatten („Andy: Warum eigentlich sind meine Schuhe voller Matsch?“ – „Weil du deine Converse anhast? Warum hast du nicht deine Stiefel angezogen?“ – „….warum sind meine Schuhe voller Matsch?“) realisierten wir mit erschreckender Intensität, dass der BMW, der jetzt vor uns stand, anscheinend noch nie das Wort „Rückspiegel“ gehört hatte, denn er rollte fröhlich auf uns zu. Die Geräuschkulisse: *roll* *platsch* „Nein, nein, bremsen, aufhören, HEY!!!!“ *motor* *roll*……. *tuck!* Aber wenigstens nur die Stoßstangen kollidiert, kein Schaden entstanden.
Wir entschlossen uns, unser Zelt neben dem von ein paar Mädels aufzuschlagen, die uns in höchstem Bayrisch begrüßten und außerdem T-Shirts mit dem Wort „Blaskapelle“ darauf trugen. Als sei das noch nicht Grund genug, uns suspekt zu erscheinen, trug eine von ihnen auch noch ein Arschgeweih.
Bitte lasst das erst einmal sinken. Arsch-ge-weih. Rock-fes-ti-val. Arsch-ge-weih. Argh!
Zelt im Regen aufbauen ist übrigens eine Sache, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Zumindest wenn man Masochist ist. Dazu passend übrigens auch meine eindrucksvoll dargebotenen Künste im Zeltschnur-Entknoten.
Nachdem auch Andys dekadente Zwei-Personen-Luftmatratze aufgepumpt worden war (Doppelhub-Luftpumpen sind deine Freunde!) legten sich die anderen schlafen, während Andy und ich ins Auto stiegen und mit zwei Schloss Pils (wenig zu empfehlen) und der geruhsamen Musik der Excrematory Grindfuckers (sehr zu empfehlen) ein wenig entspannten.
Nachdem wir uns dann durchringen konnten, ins Zelt zu gehen um zu schlafen (was nicht unwesentlich daran lag, dass unser Bier alle war), ergingen wir uns im (wohlgemerkt fehlgeschlagenen) Experiment, zu dritt auf einer Luftmatratze zu schlafen (ich abgerauchter Penner hatte natürlich wieder nur ne Isomatte mit), ließen davon aber schnell wieder ab, nachdem ich zum dritten Mal hart auf den Boden geschlagen bin.
Da uns der Lärm der Generatoren von nebenan, welche maßgeblich dazu benutzt wurden, schlechte Technomukke röhren zu lassen, sowieso vom Schlafen abhielt, fingen wir an, uns die ekelhaftesten Sachen zu erzählen, die uns einfielen („Ich hab mal gelesen wie ne Geschlechtsumwandlung durchgeführt wird“), wobei meiner Meinung nach Andy mit der Geschichte um Dominiks Hund (die ich hier nicht aufschreiben werde, da ich keine Lust habe, sechsundzwanzig Mal das Wort „Scheiße“ zu benutzen) absolut den Vogel abschoss.
Nach gemütlichen ca. zweieinhalb Stunden Schlaf ging dieser Tag für uns zu Ende und Tag 2 begann. Hätte er doch bloß nicht begonnen.
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4 Comments Add your own
1. Sir R'n'R | April 3rd, 2007 at 10:13 am
Jaaa, dat waren noch Zeiten… Mensch mensch. Jedenfalls gut, daß der weitere Fortgang (insb. Tag 2) hier im Dunkeln bleiben. Faulheit zahlt sich eben manchmal doch aus.
2. G- Man | April 11th, 2007 at 12:05 am
Alt
repost
kenn ich schon
fake
^^ Naja hast du mir mal gezeigt und ich muss mich nur wiederholen. Sauber geschrieben und es macht echt spaß es zu lesen.
3. Bena | August 3rd, 2007 at 10:54 pm
scheiße klingt nach viel spaß aber der bericht ist zum abschießen ich bin total am flennen wie geil ist das denn.. da merkt man schon wie schön Bayern halt ist..
4. ahojohnebrause | August 5th, 2007 at 6:25 pm
@Bena: Danke schön! Finde immer wieder toll, zu hören, dass auch Leute, die ich nicht kenne, über meine Berichte lachen können!
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