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Kumpelkunden

Wir Männer haben’s echt schwer.

Während das traditionelle Machobild immer mehr zurückgeht und vom Feminismus bekämpft wird, während die Idee des Jäger-und-Sammler-Höhlenmenschen in einer sich ständig emanzipierenden Welt einfach an Bedeutung verliert, haben wir Männer Probleme, zwischen Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und der neuen Rolle als verantwortungsbewusste Familienväter überhaupt unseren Platz zu finden.
Da ist es doch nett, dass wir wenigstens auf der Arbeit noch Kontakt mit richtigen, echten, bärtigen Machos haben, richtig?

Falsch.

Ich hasse es, dass man von meinem Geschlecht direkt auf meinen Charakter schlussfolgert. Wenn das auf der Arbeit passiert, geht’s mir nur noch mehr auf den Geist.

Beispiele? Aber klar!

Ein Kunde war in unserer Firma zu Besuch, um Änderungen an seiner aktuellen Anzeige abzusprechen, unter anderem sollten Text und Bild geändert werden. Ich hatte schon von vorneherein keine Lust auf den Termin, denn ich hatte den Kunden zwar noch nicht persönlich getroffen, die mehrfachen Telefonate mit ihm haben mir aber genügend Gelegenheit gegeben, seinen Arschlochfaktor ausreichend auszuloten.

Wie dem auch sei, der Mensch kam extra einen weiten Weg, also pflanzte ich mich brav hin, öffnete das Dokument und ließ mir in die Feder diktieren. Nach einer Weile kamen wir zu den gewünschten Änderungen an den Bildern, und er hatte extra eine CD mitgebracht, auf der sich recht ansehnliche Fotos seiner Praxis und der Behandlungsmöglichkeiten zeigten, man sah den Bildern an, dass ein Profi am Werk war.

Während ich damit beschäftigt war, die Bilder einzubauen, knuffte mich der Kunde auf den Arm (und Leute, die mich kennen, wissen, wie sehr ich Berührungen von Fremden zu schätzen weiß), zeigte auf eins der Bilder und meinte: “Na, gefällt sie Ihnen?” Er meinte das Model, dass sich als Behandlungsobjekt hatte ablichten lassen, eine leichtbekleidete Blondine, die artig in das Blitzlicht lächelte.

Ich murmelte nur irgendwas unter meinem Atem, aber das schien ihn ausreichend zum Weiterplappern animiert zu haben. “Wissense, die hab ich aus Polen. Das ist vielleicht ‘n Schuss, wa? Hat sehr viel Spaß gemacht, mit den Fotos *zwinker*”.

Fantastisch. Du hast also ein polnisches Model dafür bezahlt, sich vor der Kamera nackisch zu machen und sich von dir den Rücken behandeln zu lassen. Soll mich sowas beeindrucken? Okay, zugegeben, sie war eine hübsche, trainierte, leichtbekleidete junge Frau. Ja, sie hat keinen Anlass zur Kritik gegeben. Aber das ist nicht der Punkt: Ich will sowas einfach nicht mit Kunden diskutieren. Ich mag ihn nicht, ich will ihn nicht neben mir haben, und am liebsten wäre es mir, wenn er einfach seinen hageren Hintern durch die Vordertür dieser Firma verfrachten und aufhören würde, mir mit seinen Pseudo-Frauengeschichten auf den Nerv zu fallen.

Nyargh!

Zweites Beispiel, selbe Situation. Auch ein Kunde, der mit einer CD voller Bilder um die Ecke kam, dieses Mal selbst geschossen. Nach einer Weile zeigt er wild wedelnd auf den Bildschirm und meint: “Na, hee, wissense watt das is?” Das Foto zeigte ein Motorrad vor einem Café. Es war ein recht hübsches Motorrad, chromblitzend und was-weiß-ich-was-noch, und selbst ich als Laie erkannte, dass sowas wohl eine nette Anzahl meiner Monatsgehälter kosten würde.
“Sie meinen das Motorrad?” murmelte ich.
“Ja! Geil, nich?”
“Hrmrmmmrmrmhm.”
“Das is die neue Porsche-Maschine! Geil, was?”

Keine Ahnung! Ich weiß es nicht! Verschiedene Motorradhersteller haben auf der großen Festplatte meines Gehirns ungefähr die selbe Bedeutung wie die chemische Formel für Teer oder die Anzahl der Stunden, die ein chinesischer Bauer braucht, um 8 Hektar Land zu bestellen. Kurz gesagt: Es interessiert mich nicht!

Muss ich denn auf Motorräder, Fußball, Dart und Rennsport abfahren, nur weil mir vor der Geburt feierlich ein kleines, feines Y-Chromosom überreicht wurde? Smalltalk in allen Ehren, aber ich wünschte, man würde mich wenigstens auf der Arbeit mit sowas in Frieden lassen. Ich habe wirklich kein Interesse daran, mit Kunden eine Kumpelbeziehung einzugehen.

Vielleicht reagiere ich ja ein wenig über, aber beide Situationen haben mich im Anschluss ziemlich genervt. Wie geht es euch denn bei solchen Situationen? Würde mich echt mal interessieren. Die Kommentare stehen euch offen…

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