Archive for April, 2007

Indierock für Einsteiger

Meine Pläne für gestern abend waren durchaus überschaubar. Ich wollte ein wenig an meinem PC rumkonfigurieren, mir vielleicht ein, zwei Folgen Heroes ansehen und später, wenn Lisa kommt, früh ins Bett gehen. Die Rechnung hatte ich allerdings ohne Lisas Freundin Anette gemacht.

Anette arbeitet für’s Popzine, einem Onlinemagazin mit Interviews von Bands, die vielleicht noch nicht unbedingt bei einem Major Label unter Vertrag sind. Und Anette hatte abends ein Interview mit der Band “The Others”, musikalisch einzuordnen bei…keine Ahung, ich hör’ so Musik nicht. Indierock? Indiepoprock? Etwas in der Richtung vielleicht.

Wie dem auch sei, Lisa stand wie üblich auf der Gästeliste (+1, wohlgemerkt!), wollte gerne hin, und ich mein: Warum sich ein Gratiskonzert von drei Bands entgehen lassen?
Also, lecker Bier gekauft und ab in den Prime Club. Meine Fresse, der Prime Club. Ich glaube, ich war mein ganzes Leben noch nicht in dem Laden. Hm.
Als wir ankamen und Lisas versammelte Freunde begrüßten dröhnte von drinnen etwas heraus, was wohl die erste Band gewesen sein wird. “The Hedrones”. Eine Nur-Frauen-Punkband. Nie gehört vorher, und wahrscheinlich hör ich sie auch nie wieder. Meiner Meinung nach klangen sie wie Silbermond auf Extasy. Nicht ganz mein Fall.
Bevor die zweite Band auch nur die Chance hatte, anzufangen, klingelte Lisas Handy, und Anette teilte uns mit, wir müssten ganz unbedingt genau jetzt in den Tsunami-Club fahren, denn dort würden die “Pidgeon Detectives” spielen, und die muss man sich schließlich ansehen. Schließlich sei man immer noch rechtzeitig zurück, um The Others zu sehen.
Schulterzucken meinerseits.
Kenne ich zwar auch nicht, aber mehr Bands für umsonst sehen ist nicht verkehrt. Also ab rüber in den Tsunami-Club. Nach ein wenig rumirren fanden wir den Laden auch (Lisa und ich hatten etwas…divergierende Ansichten über die grobe Himmelsrichtung…und natürlich hatte sie Recht…) und erfuhren, dass der Laden noch nicht geöffnet hatte.
Sei’s drum, ein Bier schraubte die Wartezeit auf ein erträgliches Mindestmaß herunter.

Wir dackelten also brav zur Kasse und meldeten, dass wir über Anette hier seien:

Lisa: Hallo. Wir sind über Anette hier.
Aus Hündeäuglein in die Welt starrendes Verkäuferleinchen: Über wen?
Lisa: Über Anette. Vielleicht auch unter “Popzine”.
AHIWSV: Hmm….*studiert die Gästeliste*…Wie heißt ihr denn?
Lisa: Glaube nicht, dass wir mit Namen draufstehen. Lisa und Jörn.
AHIWSV: *Namen notier* *Stempel aufdrück* Na gut.

Nun ja. Nur weil der Laden auf ist, geht das Konzert ja noch lange nicht los. Wir fragten kurz nach und erfuhren, dass die Band erst in einer bis anderthalb Stunden geplant war. Na Prost.
So lange hatten wir eigentlich nicht vor, zu warten, zumal Anette ja irgendwas von “jetzt sofort” gesagt hatte.

Was machten wir zwei klugen Menschen also? Anette anrufen, wann sie denn käme und wie der Plan aussieht und überhaupt. Anette stand zu dem Zeitpunkt vor’m Prime Club und hatte überhaupt keine Intention, zum Tsunami zu kommen. Chaos!

Wie dem auch sei, wir entschlossen uns, wieder zurück zum Prime Club zu fahren (ich weiß, ich weiß, hat sich ja richtig gelohnt…), um uns noch The Others anzuschauen. Auf dem Weg nach draußen schrie die

AHIWSV: Da seid ihr ja!
Wir: ???
AHIWSV: Über weeeeeeeeeeen seid ihr nochmal hier?
Wir: *wiederhol*
AHIWSV: Kennen wir hier gar nicht. *trauriges Gesicht*
Lisa: Hat die Anette nicht Bescheid gesagt?
AHIWSV: Nee *den Tränen nah*
Wir: Gut…wir gehen dann auch einfach mal…

Erinnert ihr mich bitte daran, nie wieder Eintritt für irgendein Konzert zu zahlen? Ich geh demnächst einfach zur Kasse und behaupte zwei Minuten lang steif und feist, ich stünde über den Felix auf der Gästeliste. Meine Güte. Wie verplant kann man den bitte sein, so jemanden wie uns reinzulassen? Wenn Anette vorher angeklopft und Bescheid gesagt hätte: Ja gut…aber unter den Umständen lass ich doch niemanden umsonst in den Laden? Ein Glück für die, dass wir das Konzert gar nicht wirklich sehen wollten.

Wieder im Prime Club angekommen, begrüßte uns Anette überschwänglich und teilte uns mit, dass wir nachher noch mit der Band in den Stiefel gehen werden, um zu kickern. Vorher wollte die Band aber noch auftreten.

Der Prime Club war ungefähr halbvoll mit tanzwillen, jungen Indierockern, und mittendrin ich. Anettes Freund gewann von mir 400 Internets dafür, dass er vorher zwölf Stunden gearbeitet hat und sowas von schief und leidend aus den Augen schaute, dass man ihn eigentlich als medizinisches Forschungsobjekt gebrauchen sollte.

Das Konzert war von meiner Warte aus nicht so der Bringer, aber was hatte ich erwartet? Arm war allerdings, dass sie nur sieben Lieder spielen wollte, weil ihr Bassist seinen Pass vergessen hatte (wer’s glaubt…) und deswegen mit Ersatz-Bassist gespielt wurde.
Noch viel ärmer war es, dass der Ersatz-Bassist nicht nur vor dem fünften (!) Lied verkündete, dass dies das letzte sei, weil ihm die Finger wehtun würden (!!), sondern sich auch noch beim Spielen hinsetzte(!!!)
Ich war abgeturnt.

Wie dem auch sie, unsere illustre Gesellschaft zog also mit der Band (die sich auf den Sänger beschränkte, der Rest verschwand irgendwo) noch in den Stiefel. Mit von der Partie war die Freundin (oder Groupie oder was-weiß-ich) des Sängers, mit der dann auch Kicker gespielt wurde. Ich hab mal nicht mitgespielt, sondern nur zugeschaut, aber das war auch noch lange nicht schrecklich genug.

Um nachzuempfinden, welche Geräusche dieses weibliche Wesen ausstieß, folgt einfach folgenden Schritten:

  • Findet eine Ratte
  • Erschlagt besagte Ratte mit einem Block gefrorenem Parmesan
  • Nehmt das ganze auf mit dem Fisher Price Mein Erster Kassettenrekorder
  • Nehmt das ganze nochmal auf, dieses Mal untermalt mit dem Laut, die rattige Schaafe verursachen
  • Jagt das ganze durch einen NASA-Synthesizer
  • Nehmt es nochmal auf, dieses Mal untermalt vom Londoner Symphony Orchester und kippt ihnen währrenddessen Ajax in die Blasinstrumente
  • Mischt das ganze mit Oops, I did it again, rückwärts abgespielt
  • Dreht Tiefen und Mitten raus und spielt das ganze einer weiteren Ratte vor
  • Die Geräusche, die diese leidenden Ratten verursachen geben ein recht akkurates Bild von diesem Sound ab
  • Während der Sänger sich mit vier Groupies umringte, machte ich mein letztes Bier alle, schnappte mir meine Freundin und zog ab nach Hause.

    Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, als hätte ich gestern keinen Spaß gehabt. Au contraire, ich fand es sogar sehr lustig, ich habe viel gelacht. Nur die Musik war halt nicht so der Oberbringer, und die Clicke um den Others-Sänger war mehr als merkwürdig.

    Auf jeden Fall bin ich um die Erfahrungen reicher, dass ich Indierock den Menschen überlasse, die was davon verstehen, und mir im Prime Club nur noch Bands ansehe, die ich kenne…

    _ein gaaaaaanz leicht verkateter Brause

    5 comments April 27th, 2007

Duschen

2 comments April 18th, 2007


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